Altenburg – Ein Fenster in die Vorzeit
Am westlichen Rand des Spessarts, auf dem Schlossberg zwischen Leidersbach und Sulzbach am Main, liegt mit der Altenburg eine der eindrucksvollsten frühgeschichtlichen Anlagen der Region. Die Ringwallanlage misst etwa 365 Meter in der Länge und bis zu 180 Meter in der Breite – ein mächtiges Zeugnis vergangener Zeiten.
Erst seit den archäologischen Grabungen in den Jahren 2008 und 2009 ist gesichert: Die Ursprünge der Anlage reichen bis in die Michelsberger Kultur um 4.000 v. Chr. zurück. Damit gehört die Altenburg zu den ältesten bekannten Siedlungsplätzen im bayerischen Spessart.
Zwischen 2018 und 2019 wurden Teile der Pfostenschlitzmauer sowie ein Keltenhaus rekonstruiert. So erhalten Besucher heute einen lebendigen Eindruck vom Alltagsleben in der Zeit der frühen Bauern, Siedler und Kelten.
Im Herbst 2008 wurde der Ringwall "Altenburg" auf den Gemarkungen der Gemeinde Leidersbach und des Marktes Sulzbach a. Main untersucht.
Die Maßnahme war ein Gemeinschaftsprojekt der Heimat- und Geschichtsvereine von Leidersbach und Sulzbach, der beiden Kommunen sowie des Archäologischen Spessartprojektes. Eine maßgebliche Förderung erfolgte durch den Bezirk Unterfranken.
Die Anlage ist seit dem 19. Jahrhundert Schauplatz verschiedenster Schürfungen. Anfangs wurde dort hochwertiger Sandstein abgebaut. In den 1920er-Jahren gruben Schüler eines Landschulheims, später nutzten die Alliierten das Gelände für Manöver. Heute ist das etwa 50.000 m² große Areal stark durchwühlt – vor allem durch Wildschweine und gelegentliche Wühllöcher von Sondengängern.
Man ging zunächst davon aus, dass die in prähistorischer Zeit errichtete Altenburg auch im Mittelalter besiedelt war. Inzwischen weiß man: Die Kulturschicht im Inneren ist kaum noch vorhanden und reicht nur etwa 10 cm unter die heutige Waldkante.
Die Michelsberger Kultur (ca. 4.000 v. Chr.) ist durch zahlreiche Funde überrepräsentiert: Steinklingen, Abschläge, Reste eines geschliffenen Beils sowie zerscherbte Gefäße wurden entdeckt.
Die Altenburg ist eine der größten michelsbergzeitlichen Anlagen am westlichen Spessartrand. Der umlaufende Wall misst über einen Kilometer Länge und verändert die bisherigen Vorstellungen der prähistorischen Landnahme grundlegend.
Bei den Grabungen 2008 zeigte sich: Der innere Wall wurde später – vermutlich in der Eisenzeit – mit einer Pfostenschlitzmauer verstärkt.
Seit Oktober 2009 ist sicher: Die Altenburg war nicht nur in der Michelsberger Zeit besiedelt. Der innere Wall wurde um 500 v. Chr. erneut ausgebaut – eine Stein-Holz-Konstruktion, die mit der Pfostenschlitzmauer in Verbindung steht. Holzkohlefunde datieren auf etwa 450 v. Chr.
Diese Ausbauzeit fällt in die Hallstattzeit (ca. 800–400 v. Chr.), in der bereits Salz als Handelsgut abgebaut und über große Entfernungen transportiert wurde. Ob es eine Verbindung zur Saline von Soden gibt, ist bislang nicht abschließend erforscht.
Gesichert ist jedoch: Die Kelten kannten Salz und Eisen und nutzten beide Ressourcen gezielt. Diese Grundlage ihres Reichtums schützten sie durch Verteidigungsanlagen wie die Altenburg.
Sie errichteten Mauern aus losen Steinen in Holzgerüsten, über denen sich vermutlich eine hölzerne Brüstung erhob. Die zeitweiligen Bewohner der Altenburg lebten von Landwirtschaft, ihre Lebenserwartung lag bei 30–40 Jahren, Männer waren im Schnitt 1,70 m, Frauen 1,60 m groß.
Zerstörung durch Feuer und Sandsteinabbau
Das Konzept der uneinnehmbaren Fluchtburg war über lange Zeit erfolgreich. Doch ein Schadenfeuer zerstörte die Anlage um 450 v. Chr. – wie Holzkohlefunde belegen.
Noch sind nicht alle Geheimnisse der Altenburg gelüftet. In der laufenden Grabungsperiode sollen weitere Erkenntnisse über den Aufbau der ursprünglichen Befestigung gewonnen werden.
Zwar wurde die Anlage durch den Abbau des begehrten Sandsteins teilweise zerstört, doch reichen die bisherigen Funde aus, um die Geschichte der Altenburg weiter zu erforschen und zu erzählen.
Rekonstruktionen 2018 – Pfostenschlitzmauer & Keltenhaus
Nach über 5 Jahren Planung konnte im Frühjahr 2018 endlich mit dem Projekt zur Rekonstruktion der Altenburg begonnen werden.
Gemeinsam wurde die ARGE Altenburg gegründet – bestehend aus den beiden Kommunen Leidersbach und Sulzbach sowie den Heimat- und Geschichtsvereinen. Die Planung übernahm Architekt Josef Roth, begleitet vom Archäologen Claus Bergmann. Die Bauhöfe aus Sulzbach und Leidersbach übernahmen die Vorarbeiten.
Bau der Pfostenschlitzmauer
Die Pfostenschlitzmauer wurde federführend vom HGV Leidersbach errichtet. Rudi Weis, der einzige Maurer im Team, baute gemeinsam mit Helfern vom 04.06. bis 31.07.2018 in nur 7 Wochen eine beeindruckende Sandsteinmauer.
Aufbau des Keltenhauses
Der „Rohbau“ des Keltenhauses wurde in Holzbauweise von der Zimmerei Bornkessel aus Wartmannsroth erstellt. Die Dachschindeln brachte die Firma Volz aus Leidersbach an.
Den Ausbau des Hauses übernahmen ab dem 11.09.2018 erneut die Mitglieder des HGV Leidersbach. Nun standen zwei Maurer, Rudi Weis und Leo Bönig, zur Verfügung – mit tatkräftiger Unterstützung zahlreicher Helfer.
Trotz einer Unterbrechung durch das Sturmtief „Fabienne“ und fehlenden Mörtel konnte das Keltenhaus am 04.10.2018 vollständig zugemauert werden.
Verputzarbeiten und Innenausbau
Am 15.10.2018 begannen die Verputzarbeiten. Drei „Malermeister in Unruhe“ – Gregor und Manfred Schüßler sowie Otto Diener – führten diese fachgerecht aus, unterstützt von mehreren Helfern („Speis-Buben“). Am 23. Oktober 2018 war das Werk vollendet.
Im Frühjahr 2019 wurde das Innenleben des Keltenhauses fertiggestellt. Seitdem können Besucher diverse originale und rekonstruierte Einrichtungsgegenstände aus der Keltenzeit bestaunen:
- Feuerstelle mit Kochkessel
- Drechselbank
- Webstuhl
- Gefäße und Töpfe aus der Hallstattzeit
- Scherbenfunde aus den Grabungen 2008/2009
- Holzkohle vom Brand der ursprünglichen Mauer
- Digitale Bilder und Infos auf einem Laptop
Einweihung & Führungen
Die Einweihung fand am Freitag, 10. Mai 2019 statt. Seither erfreut sich die Altenburg mit ihren rekonstruierten Bauwerken wachsender Beliebtheit.
Der Eingangsbereich des Keltenhauses ist jederzeit offen zugänglich, sodass sich auch unangemeldete Besucher einen Einblick in die Geschichte verschaffen können.
Führungen werden von den Geschichtsvereinen Leidersbach und Sulzbach angeboten.
Ansprechpartner für Gruppenführungen:
📞 Volker Zahn – Tel. 06028 / 5961